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GÄSTEBUCH / KOMMENTARE ZU AUTOR

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Kommentare

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  • Frank Heitkamp (Mittwoch, 11. Januar 2017 22:46)

    Ich habe das Buch über Captain Smith angelesen und werde es zu Ende lesen. Die Stimmungsbilder sind faszinierend, die Personen sind in ihren Charakteren sehr gut dargestellt. E. J. Smith ist hier nicht der Schuldige sondern der Captain, der er war, ein Offizier (Reserve) und Gentleman. Die Historie ist gut recherchiert. Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll. Ich habe mich lange mit der RMS Titanic beschäftigt, daher kenne ich die Historie sehr gut. Viel Erfolg wünsche ich dem Autor, Herrn Brunner! Frank Heitkamp

  • DoRo MoRo (Freitag, 24. Juni 2016 12:31)

    Habe gerade gelesen, dass Ihre "Cryptanus-Reihe" vertont wird. Das wird sicherlich spannend.
    Und auf die Lebensgeschichte des Titanic-Käpt'ns freue ich mich auch schon sehr.

  • Friedhelm Brandt (Samstag, 21. November 2015 19:57)

    Hallo lieber Wolfgang,
    ich habe mich über deinen Gästebucheintrag richtig gefreut!
    Gerade lese ich in deinem Buch "KIM SCHEEPER UND DAS WEINEN DER ZEIT".
    Es ist spannend und voller Wunder-ein Kleinod,wertvoll und excellent!

    Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit!

    Liebe Grüße,
    Friedhelm

  • G. Neumann (Dienstag, 27. Oktober 2015 13:30)

    Sehr informative Seite.

    Ihre Cryptanus-Trilogie hat mich sehr fasziniert, zumal ich selbst einmal ein Nahtod-Erlebnis hatte.
    Vielleicht schaffe ich es einmal, Sie bei einer Lesung zu besuchen. Ich würde mich sehr freuen, Sie einmal persönlich kennenzulernen.

    Ein Fan

    G. Neumann

  • Silke Hacker (Donnerstag, 20. August 2015 13:05)

    Lieber Herr Brunner,

    ihre Bücher sind Spitzenklasse! Ich kann gar nicht erwarten, bis es Neues von Ihnen gibt.
    Ihre Cryptanus-Reihe steckt voller Philosophie und Hoffnung. Ich kann Ihnen gar nicht genug für diese Denkanstösse danken.

    Ganz liebe Grüße aus dem Schwarzwald sendet Ihnen

    Silke Hacker

  • Stefan Nickel (Freitag, 29. Mai 2015 14:50)

    Eine wirklich interessante Seite, die neben vielen Informationen auch ganz klar zeigt, wie abwechslungsreich Ihre Bücher sind.
    Als großer Fan Ihrer Geschichten bin ich schon auf die zukünftigen Geschichten aus Ihrer Feder gespannt. Ich wünschte, es gäbe mehr solcher Autoren, die sich nicht dem oftmals uninspirierten
    Mainstream anpassen. Mein Respekt vor Ihrer Arbeit.

  • Vero KAa (Donnerstag, 02. April 2015 09:31)

    Würde gern mal zu einer Lesung erscheinen, aber es ist leider nicht gerade um die Ecke. Wünsche aber viel, viel Erfolg.

  • Friedhelm Brandt (Montag, 20. Januar 2014 14:07)

    Hallo Wolfgang,
    ich bin gerade vom Siemensrechner aus ins Gästebuch gegangen.
    Der Link auf deine Homepage funktioniert !!

  • Friedhelm O. Brandt (Mittwoch, 09. Oktober 2013 19:58)

    Ich freue mich auf deine Lesung bei mir im Wohnatelier "Schloß Styrum".

    Das wäre am 11 Jan.2014.
    Die Uhrzeit ist noch nicht festgelegt,hättest du da einen Vorschlag?

    Gestern war ich bei einer Stadtkonferenz über unseren Ortsteil Mülheim Styrum.
    Dort wurde über eine Homepage nachgedacht.
    Wenn diese bis dahin steht,so lasse ich den 11 Jan. dort auch erwähnen.

    Deine Homepage wirkt sehr aufgeräumt und ist interessant gestaltet...

    Nun bis bald und liebe Grüße aus den alten Gemäuern von Schloß Styrum.

    Friedhelm

  • Frank Olaf Paucker (Donnerstag, 26. September 2013 13:00)

    Ich dachte, die Seite hätte ich schon lange geliket. Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich. Schnell nachgeholt. Eine wirklich sehr schöne Page über Dich und Deine Arbeit. Gruß Frank

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# Taschenbuch: 400 Seiten

# Verlag: Candela-Verlag (erschienen September 2012)
# ISBN-10: 3-942635-24-0

# ISBN-13: 978-3-942635-24-0 

# EUR 14,90

 

Kim Schepper steht mit dreizehn Jahren am Grab ihres elfjährigen Bruders Tom, der durch einen tragischen Autounfall sein Leben verlor. Auf der Beerdigung trifft das Mädchen einen Jungen aus Toms Schulklasse, der sie zu einem geheimnisvollen, mitternächtlichen Treffen auf dem Friedhof einlädt. Dort erfährt Kim, dass Tom zusammen mit vier anderen Kindern unfreiwillig Teil eines Experimentes war, das von einer Firma namens Kirkos Marubor durchgeführt wurde. Dabei wurde ein Serum mit dem Namen Marubor getestet, das der Menschheit ewiges Leben in Aussicht stellte. Als bei den Forschungen Probleme auftraten, wurden die Probanden durch inszenierte Unfälle beseitigt. Doch die Kinder sind nicht tot, wie die Wissenschaftler annehmen. Sie sind lediglich gering lebend, was bedeutet, dass sie sich näher auf der Seite des Todes als auf der des Lebens befinden, aber dennoch weiter existieren. Sie verstecken sich in Gewölben unter dem Friedhof und nennen ihre neue Heimat Marubor, nach dem an ihnen getesteten Serum. 

.
Ein dreizehnjähriges Mädchen, eine verschworene Gruppe von Kindern und ein schreckliches Geheimnis, das die ganze Menschheit bedroht: "Kim Schepper und die Kinder von Marubor" ist der Auftakt zu einem Abenteuer, das jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liegt.

 


 

Das sagt die Presse:

"Michael Ende als großes Vorbild" NRZ

"Michael Ende ist sein Vorbild" Rheinische Post

"Ein Autor mit vielen Seiten" BBV

Das sagen die LeserInnen:


Fiona M. aus Büsum schrieb am 22.05.2010:
Hallo :)
Kim Schepper ist echt super ! Ich liebe das Buch !


Lisa-Marie H. (13) aus Winnenden schrieb am 24.08.2010:
Lieber Wolfgang Brunner,
Ob sie es mir glauben oder nicht, aber Kim Schepper gehört seither zu meinen Lieblingsbüchern. Es hat mich irgendwie an Momo erinnert und von den verrückten Ideen her gleichzeitig an Terry Pretchett. Betty, die kaugummikauende Fledermaus, Tabithia, die auf einem riesigen Schiff an Land wohnt....einfach fantastisch.



Leseprobe


Kim strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und versuchte, nicht auf die ausgehobene Grube zu sehen, in der in wenigen Augenblicken der Sarg ihres Bruders verschwinden würde. Sie war noch nicht bereit für diesen Abschied. Erst vor zwei Wochen hatten sie und Tom noch gemeinsam an einer Hausaufgabe gesessen, hatten Spaß und sich auf die nahenden Herbstferien gefreut.
Und nun? Kim begriff immer noch nicht, was um sie herum geschah. Tom war mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, als er vom Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos gestreift wurde. Er verlor die Kontrolle über sein Rad und stürzte von der Straße in einen parkenden Anhänger, der mit Gartengeräten beladen war. Eines dieser Geräte fügte ihm eine schwere Verletzung zu, der Tom noch am Unfallort erlag.
Der Fahrer gestand zwar seine Schuld, aber das brachte Kims Bruder nicht mehr zurück. 
Tom hatte vier Monate, bevor er starb, seinen elften Geburtstag gefeiert. Er war zwei Jahre jünger als Kim und hatte sich an diesem Tag so sehr gefreut, das erste Mal in seinem Leben einen Schnapszahl-Festtag zu feiern. Noch am selben Abend hatte sich Kim mit Tom auf den Boden gesetzt und zusammen mit ihm Bilder ihres Vaters angesehen. Sie konnte sich noch an jedes Wort erinnern, das sie gewechselt hatten, als wäre es erst gestern gewesen.

„Wieso hat Papa uns verlassen?“, fragte Tom und drehte das Foto, das er in seiner kleinen Hand hielt um, als könnte er dadurch die Rückseite der Person sehen, die darauf abgebildet war.
„Er hat das nicht absichtlich getan. Er wurde irgendwie dazu gezwungen... Aber er hat uns immer noch lieb… und das ist das Wichtigste“, antwortete Kim und streichelte ihrem kleinen Bruder über den Kopf.
„Er ist tot!“, flüsterte dieser.
„Ja, das ist er. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht mehr an uns denkt und hin und wieder sogar in unserer Nähe ist!“
Tom erwiderte nichts, sondern schaute die nächste Fotografie an. „Ich finde es schön, dass wenigstens die Bilder von ihm noch hier sind. Es wäre schade, wenn sie auch weg wären.“
Kim schüttelte den Kopf. „Diese Fotos werden für immer bei uns bleiben. In ihnen lebt Papa weiter...“
Tom hob seinen Blick und lächelte seine Schwester an. „Ich hab dich lieb, Kim!“
„Ich dich auch!“

„Ist alles in Ordnung, Kim?“ Die Worte ihrer Mutter drangen leise in ihre Gedanken, als hätte sie sie in einer anderen Dimension ausgesprochen. „Schatz?“
Kim hob den Kopf und sah in die verweinten Augen ihrer Mutter, die sie gerade aus ihren Erinnerungen gerissen hatte. „Ich komme schon klar, Mama!“, sagte sie abwesend und wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. „Ich habe gerade an Toms Geburtstagsfeier gedacht. Aber mir geht es nicht schlecht, keine Angst.“
„Das ist gut. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Weißt du…es ist schwer, aber dein Bruder ist nun nicht mehr bei uns.“
Kim nickte und unterdrückte ein Schluchzen. „Ich weiß...“
Sie sah über die ausgehobene Grube hinweg und beobachtete die Menschen, die um das Loch standen und sich flüsternd miteinander unterhielten. Vor fünf Jahren, Kim konnte sich nur noch undeutlich daran erinnern, stand sie an der gleichen Stelle und hatte ihren Vater zu Grabe getragen. Dieses Mal war es ihr Bruder!
Sie wandte sich ab und ging ein paar Schritte auf die Aussegnungshalle zu. Es würde noch eine Weile dauern, bis der Pfarrer kam und eine Rede hielt, die die Trauernden zu Tränen rühren würde. Kim mochte Beerdigungen nicht. Sie waren so endgültig. Ihr wäre es viel lieber, wenn sie Tom einfach nur in ihren Gedanken behalten könnte. Ein Abschied ohne großes Theater hätte in ihren Augen eine viel größere Wirkung. Wieso schafften es die Hinterbliebenen nicht, die Verstorbenen so zu behandeln, als wären sie einfach für eine ungewisse Zeit an einem anderen Ort. Letztendlich würde ihr Bruder sie heute genauso wenig verlassen wie damals ihr Vater.
Kim drehte sich um und sah, wie ihre Mutter alleine vor dem offenen Grab stand. Sie wirkte verzweifelt und hilflos, sodass Kim für einen kurzen Moment überlegte, zurückzugehen und sie zu trösten. Aber andererseits sollte sie auch Zeit für sich und ihre Trauer haben. Wie Kim musste auch ihre Mutter mit dieser Tragödie zurecht kommen.
„Es tut mir leid!“, erklang eine Stimme hinter ihrem Rücken. Sie drehte sich überrascht um und sah einen Jungen vor sich, den sie bereits ein paar Mal auf dem Schulgelände gesehen hatte. „Ich meine das mit deinem Bruder...“
Kim zwang sich zu einem Lächeln. „Ich weiß, was du gemeint hast. Ich danke dir... aber es braucht dir nicht leid zu tun... Du bist schließlich nicht schuld, dass er tot ist.“
„Ja, schon klar. Aber ich wollte einfach nur freundlich sein und dir sagen, dass ich verstehe, wenn du traurig bist.“
Kim senkte den Kopf. „Das ist nett von dir. Ich bin Kim...“
„Ich kenne dich“, sagte er mit aufgeregter Stimme. „Ich heiße Julian... ich war in der Klasse deines Bruders.“
„Du warst in seiner Klasse? Bist du es denn nicht mehr?“, fragte Kim erstaunt.
„Mist... sicher bin ich noch... ach Mist. Ich wollte sagen, ich bin in der Klasse, in der auch dein Bruder war. Ich mochte ihn, wir waren keine richtigen Freunde, aber wir kannten uns eben ganz gut.“
„Dein Name ist Julian? Er hat mir nie von dir erzählt!“, sagte Kim argwöhnisch. „Sonst hat er mir eigentlich immer alles erzählt...“
Der Junge lehnte sich an den Stamm einer Eiche und sah hinüber zum Grab. „Das hat er bestimmt nicht... und... weißt du, vielleicht kann ich dir ein Geheimnis verraten. Aber wahrscheinlich glaubst du es mir sowieso nicht, bevor du es mit eigenen Augen siehst.„
Kim wurde hellhörig. „Wieso? Was meinst du damit und was hatte Tom zu verbergen? Du machst mich neugierig, Julian!“
„Komm heute um Mitternacht an das Grab deines Bruders. Es ist zu gefährlich, hier in der Öffentlichkeit von Marubor und dem Zirkus des Todes zu sprechen...“, sagte Julian knapp und schaute sich verängstigt um, als rechnete er damit, belauscht zu werden..
„Warte! Ich verstehe kein Wort von dem, was du sagst. Marubor? Was soll das sein? Ich kann nicht einfach um Mitternacht auf den Friedhof kommen. Meine Mutter... wie stellst du dir das vor? Julian… warte!“ Der Junge reagierte nicht auf ihre Rufe und verschwand zwischen einer Gruppe von Trauergästen, die Kim nicht kannte. Wahrscheinlich waren es Nachbarn, mit denen nur ihre Mutter zu tun hatte. Julian war verschwunden, ehe sie überhaupt daran dachte, ihm hinterherzulaufen.
„Kim!“ rief ihre Mutter. „Komm zu mir, mein Schatz!“
„Ich hasse es, wenn sie Schatz zu mir sagt“, murmelte Kim und ging langsam zurück an das Grab. 
Der Erdhügel neben der letzten Ruhestätte glitzerte feucht im Licht der Mittagssonne und vermittelte den Eindruck, als wäre die Grube erst vor wenigen Minuten ausgehoben worden. Kims Mutter und die anderen Trauergäste warteten auf den Pfarrer und die Männer, die den Sarg von der Aussegnungshalle hierher tragen würden. Es herrschte eine merkwürdige Stimmung und die Dreizehnjährige wünschte sich, dass die Beerdigung bald vorbei war.
Kim fragte ihre Mutter, ob sie im Schatten eines Baumes warten durfte. „Es dauert bestimmt noch eine Weile!“ Ihre Mutter nickte und Kim dachte an Julian, während sie sich unter die ausladenden Äste einer Eiche stellte, um in ihrem angenehmen Schatten zu verweilen. Die Sonne wurde mit jeder Minute heißer und das Mädchen fing bereits leicht an zu schwitzen.
Was hatte es mit diesem geheimnisvollen Treffen um Mitternacht auf sich? Wieso hatte Julian nicht gesagt, um was es ging? Marubor... sie hatte dieses Wort noch nie gehört. Sie nahm sich vor, gleich nach der Beerdigung ihres Bruders im Internet zu recherchieren. Vielleicht fand sie etwas darüber, das ihr weiterhalf. Und welchen Zirkus meinte Julian? Kim konnte sich nicht daran erinnern, dass in letzter Zeit einer der vielen Wanderzirkusse in die Stadt gekommen war. Außerdem klang der Name für einen Schaubetrieb ziemlich unüblich: Zirkus des Todes! Das hörte sich unheimlich und gefährlich an.
Sie schaute durch das dichte Laub der Eiche und blinzelte, als vereinzelte Sonnenstrahlen direkt in ihr Gesicht schienen. Kim war durch die Begegnung mit Julian durcheinander und irritiert. 
...weißt du, vielleicht kann ich dir ein Geheimnis verraten, das du mir wahrscheinlich gar nicht glaubst, bevor du es nicht mit eigenen Augen siehst...
Dieser Satz hatte ihr Angst gemacht. Es war doch ein Unfall gewesen, durch den Tom das Leben verloren hatte? Was hatte Julian damit zu tun?
Sie griff in die rechte Vordertasche ihrer Jeans und holte den Zettel hervor, den Tom ihr vor knapp vier Wochen gegeben hatte. Wenn sie sich die Situation von damals ins Gedächtnis rief, glaubte sie sich daran zu erinnern, dass Tom ein trauriges Gesicht machte, als er ihr den Papierfetzen überreichte.
Ich bin bei dir, wo immer du bist! stand, in einer für einen Jungen untypisch schönen Handschrift, darauf.
Nun, da ihr Bruder tot war und sie die rätselhaften Worte von Julian vernommen hatte, kam ihr der Unfall mit dem Autofahrer plötzlich komisch vor. Als wäre etwas falsch an den Geschehnissen, die gerade passierten. Träumte sie das alles etwa? War Tom noch lebendig und lag schlafend neben ihr im Bett?
Kim schüttelte den Kopf. „Nein, das alles ist real!“, flüsterte sie laut, als wollte sie sich selbst damit beweisen, dass sie Recht hatte. „Tom ist tot und ich stehe vor seinem Grab und warte, dass er beerdigt wird.“
Sie zuckte zusammen, als sich ein Schatten von hinten über sie legte. Als sie sich umdrehte, stand ihr Julian schon wieder gegenüber. „Was ist?“, fragte sie irritiert. Sie hatte nicht damit gerechnet, den Jungen nach so kurzer Zeit bereits wieder zu sehen. Er kniff die Augen zusammen und schwankte ein wenig, als hätte er Probleme mit dem Gleichgewicht.
„Ich habe etwas vergessen... du musst heute Nacht etwas mitbringen“, stammelte der Junge. Seine blonden Haare standen ein wenig von seinem Kopf ab. Es sah aus, als wäre Julian äußerst nervös und hätte sich die ganze Zeit mit den Fingern durch die Haare gefahren.
„Was soll ich mitbringen?“, wollte Kim wissen. „Ich weiß noch gar nicht, ob ich überhaupt kommen kann…“
„Es... es muss etwas sein, dass Tom gehört hat. Etwas sehr Persönliches...“ Julian ging auf ihre letzten Worte gar nicht ein.
Kim hielt den Zettel hoch, den sie noch immer in ihrer Hand hatte. „Diese Zeilen hat er mir vor einigen Wochen geschrieben. Ich dachte, er wollte mir damit sagen, dass er mich lieb hat. Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, was sie zu bedeuten haben.“ Sie senkte den Kopf und starrte auf die Spitzen ihrer dunklen Ed Hardy Sneakers. Ihre Mutter hatte sie gebeten, nicht die Turnschuhe anzuziehen, die sie sonst immer bevorzugte. Der Totenschädel, der seitlich an beiden Schuhen zu sehen war und die Zahl „13“ auf der Stirn hatte, wurde zum größten Teil durch die Fishbone Hose verdeckt. Kim konnte froh sein, dass ihre Mutter die Schuhe noch nicht registriert hatte. Sie wäre bestimmt nicht erfreut, dass Kim sie trotz ihres Verbots zur Beerdigung angezogen hatte.
„Was steht auf dem Zettel?“, fragte Julian und beugte sich neugierig nach vorne.
„Warte... ich lese es dir vor“, antwortete Kim und trat einen Schritt zurück. Irgendwie wollte sie nicht, dass der Junge die Handschrift von Tom sah. Sie konnte nicht genau erklären, warum ihr das Unbehagen bereitete. Vielleicht war es einfach, weil es ihr Zettel war. Er war eines der letzten Dinge, die sie von Tom bekommen hatte. Sie wollte nicht, dass Julian, den sie erst seit wenigen Minuten kannte, ihn sah.
„Ich bin bei dir, wo immer du bist!“, las sie laut vor und beobachtete dabei die Reaktion ihres Gegenübers.
Julian starrte erst auf den Zettel und dann auf Kim. Seine Augen waren weit aufgerissen und er schwankte erneut ein wenig, bevor er die Sprache wieder fand. „Er hat gewusst, dass sie hinter ihm her sind. Er wusste es... deswegen hat er dir diese Nachricht geschrieben. Nimm diese Nachricht nachher mit. Sie ist perfekt für das, was wir heute Nacht vorhaben...“ Er wollte sich schon wieder aus dem Staub machen, aber Kim hielt ihn am Ärmel fest. „Was ist los? Julian, sag mir bitte, was hier vor sich geht... du redest wirres Zeug, sprichst in geheimnisvollen Rätseln und lässt mich einfach im Dunkeln stehen. Was haben wir heute Nacht vor? Was ist mit Tom? Was weißt du?“
Julian blieb stehen und sah dem Mädchen tief in die Augen. „Hab Geduld, Kim. Bald wirst du mehr wissen... es geht um ein Experiment... den Zirkus des Todes... es funktioniert nur um Mitternacht, wenn wir das erste Mal mit ihnen in Kontakt treten. Wenn es soweit ist, werden wir dir Marubor zeigen...“
„Ihnen? Und wen meinst du mit wir?“
„Vivian wird heute Nacht bei uns sein... dann werden wir dich in alles einweihen...“
„Wer ist Vivian?“, wollte Kim wissen.
Julian neigte den Kopf leicht zur Seite und presste seine Lippen fest aufeinander. „Vivian ist meine tote Schwester...“


Kim war schwindlig.
Julian war sofort davongelaufen und hatte ihr keine Gelegenheit gegeben, weitere Fragen zu stellen. Hatte er sich versprochen, als er sagte, Vivian sei seine tote Schwester? Oder hatte sich Kim einfach nur verhört? Vielleicht war sie durch den Tod ihres eigenen Bruders so verstört, dass sie Dinge hörte, die gar nicht ausgesprochen wurden.
Ihre Mutter tastete nach Kims Hand und drückte sie sanft, um ihr Trost zu spenden. Wie aus weiter Ferne hörte das Mädchen die Stimme des Pfarrers. „Er war zu jung, um aus dem Leben zu scheiden, doch können wir nichts gegen die Mächte unternehmen, die ihn von uns nahmen...“ Die Worte hörten sich falsch an, unecht... ohne Anteilnahme. Kim schloss die Augen und sprach in Gedanken eigene Worte, die sie an die Seele ihres Bruders richtete.
Lieber Tom! Ich mochte dich sehr gerne und das weißt du. Ich habe es geliebt, wenn wir gemeinsam gelacht und uns über Dinge gefreut haben, die niemand sonst verstanden hat. Du bist jetzt an einem anderen Ort... aber du hast mir geschrieben, dass du bei mir bist. Und das glaube ich dir! Ich werde dich niemals vergessen. Du bist und bleibst mein Bruder, ob tot oder lebendig... wir bleiben zusammen.
Kim hörte ihren Namen und öffnete die Augen.
„Sie kann es nicht verkraften!“, hörte sie die Stimme einer Frau dicht neben sich.
„Die arme Kleine. Sie denkt bestimmt, ihr Bruder ist nur für ein paar Tage weggefahren... sie weiß noch nicht, was der Tod ihr angetan hat. Er hat ihr den Bruder genommen...“
Dumme Kuh, dachte Kim. Für wie alt hältst du mich? Vier? Ich habe bereits meinen Vater verloren... erzähl du mir nicht, dass ich keine Ahnung davon habe, was Sterben bedeutet.
„Möchtest du einen letzten Blick auf Toms Sarg werfen?“, fragte ihre Mutter.
„Ja, das möchte ich... und ich will ihm noch etwas sagen“, flüsterte Kim und trat auf die offene Grube zu.
„Aber sicher, mein Schatz!“
Wieso nennst du mich nicht bei meinem Namen?, dachte Kim, während sie langsam nach vorne trat und dann in das dunkle Erdloch schaute. Ich bin nicht dein Schatz, sondern deine Tochter. Papa hat mich immer Kim genannt.
Rechts neben dem offenen Grab stand eine Schale aus Metall, die mit frischer Erde gefüllt war. Kim griff nach der kleinen Schaufel, die darin steckte, und nahm damit ein wenig Erde auf. Es machte ein dumpfes Geräusch, als sie die Klumpen auf den Sargdeckel fallen ließ. Als sie sich niederkniete, bemerkte sie die Rose in ihrer Hand. Sie wusste nicht mehr, von wem sie die Blume hatte. Wahrscheinlich hatte sie die langstielige Pflanze unbewusst aus der Vase genommen, die neben der Grabstelle stand. Die Rosen waren dafür gedacht, dass die Trauergäste sie zum Abschied auf Toms Sarg warfen. Kim schaute auf die rote Knospe und roch daran. „Du hast geschrieben, dass du immer bei mir bist, wo immer ich bin. Ich knie vor deinem Grab, Tom... bist du denn jetzt im Augenblick bei mir? Wenn es so ist, dann gib mir ein Zeichen!“ Kim sah sich nach ihrer Mutter um, die inmitten von Fremden stand und ihr ein gekünsteltes Lächeln zuwarf. „Mama vermisst dich jetzt schon...“, flüsterte Kim dem Sarg zu, in dem ihr Bruder lag. Diese Worte waren nur für ihn gedacht, niemand sonst sollte sie hören. „Julian sagt, er kennt dich. Du hast mir nie von ihm erzählt. Kann ich ihm vertrauen? Er möchte sich heute um Mitternacht auf dem Friedhof mit mir treffen... ich weiß nicht, was ich tun soll. Was rätst du mir? Bitte, Tom... ich brauche dich.“ Sie roch erneut an der Rosenblüte und drehte den Stiel nervös hin und her. „Tom... Wenn du tatsächlich bei mir bist, dann lass es mich wissen. Mach etwas mit dieser Rose... löse ein Blütenblatt... oder mach etwas anderes... zeig mir einfach, dass du hier bist!“
Als nichts geschah, warf sie die Rose auf die Mitte des Sargdeckels. Die Blüte erzitterte und erst als Kim sich bereits vom Grab entfernt hatte, löste sich eines der Blätter und rutschte wie von Geisterhand gezogen in die obere Hälfte des Totenschreins. Als würde im Inneren des Sarges jemand pusten, erhob sich das Blatt und tanzte durch die Luft nach oben, wo es am Rand der ausgehobenen Grube liegen blieb, als würde es Kim nachsehen.


Kim stützte das Kinn auf ihre linke Hand und las die Ergebnisse, die die Internetsuchmaschine über den Begriff „Marubor“ ausgeworfen hatte. An erster Stelle stand:

Kirkos Marubor: Pharmazie, Spielzeug, die besten Handys…

Es folgten weitere Verlinkungen und Informationen über das Unternehmen. Oft erschien der Name des Inhabers: Renard Kitsune.
Danach folgten einige japanische Seiten, mit denen Kim nichts anfangen konnte.
Die restlichen Ergebnisse hatten überhaupt nichts mehr mit dem eingegebenen Wort zu tun und wiesen teilweise auf eine slowenische Stadt namens Maribor hin.
Kim beschloss, den zweiten Begriff einzugeben, den Julian genannt hatte: Zirkus des Todes!
Sie drückte die ENTER-Taste und wartete geduldig. Der Server, mit dem sie verbunden war, präsentierte das Ergebnis ziemlich schnell:
Ein Kriminalfilm mit Joan Crawford aus dem Jahr 1967 befand sich an erster Stelle, gefolgt von Filmkritiken desselben. Danach kam die Übersetzung eines Liedertextes von einer Band, die Kim noch nie gehört hatte und ein Bericht über Piranhas, die in einem Zirkus vorgestellt wurden und dabei einen Zuschauer verletzt hatten.
Ansonsten war nichts Aufschlussreiches zu finden. Kim seufzte und schaltete den Computer aus. Sie lehnte sich zurück und starrte auf den dunklen Monitor, in dem sich ihr Gesicht spiegelte.
„So ein Mist“, murmelte sie und erhob sich. Sie legte sich auf das Bett und sah in die andere Ecke des großen Zimmers, das sie bis vor kurzem noch mit Tom geteilt hatte. Seine Decke und das Kissen waren mit frischer Bettwäsche bezogen, als würde er die kommende Nacht darin schlafen. „Ach, Tom... wieso nur?“, seufzte Kim leise.
Sie sah auf ihre Armbanduhr. Viertel nach fünf. Es war noch nicht einmal annähernd Mitternacht.
Wie soll ich nur so lange durchhalten? Und morgen schreiben wir eine Physikarbeit... wenn ich mich wirklich noch so spät mit Julian auf dem Friedhof treffe, werde ich während der Arbeit einschlafen. Ich kann mir aber keine schlechten Zensuren leisten.
Sie seufzte erneut und ließ sich zurück auf das Bett fallen, schloss die Augen und ließ den Tag Revue passieren. 
Sie sah Julians scheu lächelnden Mund und seine wunderschönen grünen Augen vor sich.
Er war ein Junge, der ihr gefiel. Seine Art zu reden war angenehm. Sie wusste nicht, wie alt er war, doch sie ging davon aus, dass er so alt wie Tom war. Vielleicht wiederholte er aber auch eine Klasse und war schon zwölf. Aber Kim war sein Alter egal. Sie fand ihn süß, das sollte reichen...
Wieso finde ich nichts über Marubor oder den Zirkus des Todes? Was hatte das alles zu bedeuten? Ich bin wirklich gespannt, was heute um Mitternacht passiert... ich muss einfach auf den Friedhof gehen. Die Arbeit in Physik werde ich schon irgendwie schaffen.
Sie erhob sich und trat an ihren Schreibtisch. Sie warf eine leere Chipstüte achtlos auf den Boden. Sie würde nachher aufräumen, im Moment gab es Wichtigeres zu tun. Sie machte sich Notizen, die sie überprüfen und zu denen sie noch weitere Informationen sammeln wollte:

1. Julian
2. Marubor
3. Zirkus des Todes

Hatte der Junge noch etwas erwähnt, das eventuell von Bedeutung war? Vivian? Woran war sie gestorben? Wann? Kim hatte nichts vom Tod eines Mädchens gehört.
Sie beschloss, Julians Schwester mit auf die Liste zu setzen:

4. Vivian

„Das ist eine wirklich tolle Aufzählung. Wenn die jemand zu lesen bekommt, denkt er, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank“, murmelte sie leise vor sich hin und lächelte dabei. „Irgendwie bekomme ich immer mehr den Eindruck, als hätte Tom einige Geheimnisse vor mir gehabt. Vielleicht sollte ich seinen Namen auch dazu schreiben.“
Kim setzte sich. Sie hatte die ganze Zeit gestanden und überlegte, ob Julian noch etwas gesagt hatte, das lohnenswert war, darüber nachzudenken. Aber ihr fiel nichts mehr ein. 
Sie starrte auf die Liste und wiederholte einen Begriff nach dem anderen in ihren Gedanken:

1. Julian
2. Marubor
3. Zirkus des Todes
4. Vivian
5. Tom

Am meisten Kopfzerbrechen bereiteten ihr die zweite und dritte Zeile. Marubor klang wie eine Stadt oder ein Ort. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es etwas mit dem Unternehmen zu tun hatte, von dem sie im Internet gelesen hatte. Zirkus des Todes hingegen machte Kim Angst, verursachte ihr Unbehagen und einen leichten Schauer. Sie konnte nicht erklären, warum. Vielleicht lag es daran, wie Julian es ausgesprochen hatte. Sein Tonfall war dabei seltsam gewesen, als wäre er von jemandem eingeschüchtert worden, der verhindern wollte, dass der Begriff an die Öffentlichkeit kam.
Kim nahm den Zettel und faltete ihn dreimal zusammen, damit sie ihn in die Hintertasche ihrer Jeans stecken konnte. Sie hatte sich vorgenommen, Julian nach diesen Dingen zu fragen. Vielleicht gab er ein paar Antworten, wenn sie sich nachher an Toms Grab trafen.
Sie hörte, wie ihre Mutter in der Küche herumhantierte. Kim wusste genau, dass sie Kaffee machte wie jeden Tag, seit sie von dem tödlichen Unfall erfahren hatte. Aber Elisabeth, so war der Name ihrer Mutter, räumte nebenbei immer die Küchengeräte um, weil sie sich beschäftigen wollte. Lisa, wie sie von allen genannt wurde, konnte mit dem Verlust ihres jüngsten Kindes nicht umgehen und suchte verzweifelt nach Dingen, die sie ablenkten. Und so sortierte sie Toaster, Obstpresse und andere Dinge tagtäglich in verschiedene Schränke, während sie literweise Filterkaffee zubereitete, den sie trank, als wäre es Wasser. Lisa dachte, das Koffein würde sie beruhigen, aber genau das Gegenteil war der Fall. Sie wurde immer nervöser... und melancholischer. Kim hatte es die letzten Tage aufgegeben, mit ihrer Mutter über Toms Tod zu sprechen. Ihre Art zu trauern war einfach eine andere und Kim musste es akzeptieren.
Es war erst eine halbe Stunde vergangen, seit sie das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte. Sie musste also noch über sechs Stunden warten, bevor sie Julian traf. Kim überlegte, ob sie vorher noch ein wenig schlafen sollte. Allerdings würde sich ihre Mutter mit Sicherheit darüber wundern, wenn sie so früh zu Bett ging. Andererseits konnte sie es mit den Strapazen des Tages und der Beerdigung ihres Bruders bestimmt überzeugend begründen, sodass Lisa ihr vielleicht Glauben schenkte. Sie konnte es zumindest versuchen und abwarten, was passierte. Sie verließ das Zimmer und stellte sich in die Tür zwischen Flur und Küche.
Ihre Mutter stand hochkonzentriert vor der Arbeitsplatte. Die Finger der rechten Hand umklammerten den Griff einer Schranktür, während an ihrer linken ein Pürierstab am Stromkabel hin und her pendelte. „Ich weiß nicht mehr, wo ich die ganzen Dinge unterbringen soll. Es werden immer mehr Geräte... ich finde keinen Platz mehr dafür.“
Kim schüttelte unmerklich den Kopf. Das Küchengerät hatte seit über einem Jahr einen festen Platz in der Besteckschublade gehabt. Und plötzlich war es anscheinend nicht mehr richtig, es dort aufzubewahren?
„Soll ich dir helfen?“, fragte sie. Ihr Blick fiel dabei auf die altmodische Quarzuhr, die genau in der Mitte über dem gekippten Fenster hing. Konnte es tatsächlich sein, dass noch nicht einmal fünf Minuten vergangen waren, seit sie das Kinderzimmer verlassen hatte?
„Das glaube ich nicht!“, sagte sie laut, ohne es zu bemerken.
Lisa drehte sich hektisch nach ihr um. Ihre Augenlider flatterten und sie schien durch Kim hindurch zu sehen. „Was hast du gesagt?“
„Ich...“ Kim fing an zu stottern. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie laut gesprochen hatte.
„Was glaubst du nicht?“, fragte ihre Mutter. „Willst du damit andeuten, dass ich nicht mehr ganz richtig im Kopf bin, weil ich neue Plätze für ausgediente Küchengeräte suche?“ Sie trat einen Schritt zurück und starrte in das Innere des Schrankes, wo sich Plastikdosen stapelten, die seit über zwei Jahren nicht mehr benutzt worden waren. „Ich kann diesen ganzen Mist nicht mehr sehen“, schrie sie. 
Der Pürierstab fiel zu Boden. Der Plastikgriff zerbrach und kleine Splitter verteilten sich auf dem sauber geputzten Fliesenboden. Das Geräusch klang wie das Splittern eines Knochens und Kim bekam eine Gänsehaut.
„Ich kann es nicht mehr sehen... ich will es nicht mehr sehen... ich...“ Lisa kreischte und fegte mit einer einzigen Bewegung die ganzen Dosen aus dem Schrankfach. Ein dumpfes Poltern begleitete den Aufprall der Aufbewahrungsboxen. Teilweise lösten sich die Deckel von den Behältnissen und flogen durch die Küche. Lisa stand da und beachtete das Chaos nicht. Sie schloss behutsam die Schranktür und setzte sich an den Küchentisch. Sie stützte den Kopf mit beiden Händen ab und begann leise zu schluchzen. „Wieso haben wir diese Geräte immer noch? Ich möchte Tom wiederhaben. Warum können wir nicht die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, für sein Leben eintauschen?“ Sie weinte und Kim beobachtete die Tränen auf ihren Wangen.
„Mama?“, fragte sie vorsichtig. „Ich helfe dir beim Aufräumen, in Ordnung?“
Die Frau hob den Kopf und lächelte ihre Tochter an. „Das ist lieb von dir, Kim. Aber ich schaffe das schon... ich muss mich ablenken. Es ist so schwer, das alles zu begreifen...“ Sie senkte wieder den Kopf und weinte.
Kim überlegte, ob sie etwas von dem Treffen auf dem Friedhof erzählen sollte. Aber sie verwarf den Gedanken sofort wieder. Es würde damit enden, dass ihre Mutter ihr verbot, dorthin zu gehen und das wollte Kim auf keinen Fall riskieren. Sie musste unbedingt wissen, was Julian ihr erzählen würde. Außerdem war sie auf Vivian gespannt, denn Kim war sich noch immer nicht sicher, ob sie Julians letzte Worte richtig verstanden hatte. Es konnte eigentlich nicht sein, dass Vivian tot war. 
„Geh in dein Zimmer, Kim“, flüsterte Lisa. „Ich mache hier gleich wieder Ordnung.“
Kim kniete sich direkt neben den Stuhl, auf dem ihre Mutter saß und legte die linke Hand auf den Oberschenkel der Frau. „Mama... wir schaffen das. Wirbleiben doch wenigstens zusammen und sorgen dafür, dass alles wieder gut wird... oder?“
Lisa hob ihren Kopf und diesmal wirkte ihr Lächeln echt. „Aber sicher, mein Schatz. Alles ist bald wieder in Ordnung... wir sind zwei starke Frauen. Ich bin froh, dass du noch bei mir bist. Alleine würde ich diese schwere Zeit nicht überstehen.“ Sie strich Kim über den Kopf und fuhr ihr dabei durch die dunkelbraunen Haare. „Du bist ein gutes Mädchen!“
„Danke“, antwortete Kim und schloss die Augen. „Wir werden ein gutes Team sein...das weiß ich!“
„Ja, das werden wir!“ Lisa lachte leise auf und wischte sich mit der freien Hand ein paar Tränen aus den Augenwinkeln. „Und jetzt geh in dein Zimmer. Es war ein anstrengender Tag. Ich werde heute früh ins Bett gehen... und das solltest du auch tun!“
Kim erhob sich. „Mache ich... ich bin auch ziemlich müde. Ich bereite mich noch ein bisschen auf die morgige Physikarbeit vor und dann versuche ich zu schlafen.“
„Gute Nacht, mein Schatz!“
Ich heiße Kim...
„Gute Nacht, Mama. Ich hab dich lieb...“
„Ich dich auch...“ Die Frau zögerte.
Kim!„.

.. Kim!“ sagte Lisa und lächelte. Kim fragte sich in diesem Moment, ob ihre Mutter Gedanken lesen konnte und sie deswegen bei ihrem Vornamen angesprochen hatte.