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Kommentare

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  • Frank Heitkamp (Mittwoch, 11. Januar 2017 22:46)

    Ich habe das Buch über Captain Smith angelesen und werde es zu Ende lesen. Die Stimmungsbilder sind faszinierend, die Personen sind in ihren Charakteren sehr gut dargestellt. E. J. Smith ist hier nicht der Schuldige sondern der Captain, der er war, ein Offizier (Reserve) und Gentleman. Die Historie ist gut recherchiert. Der Schreibstil ist sehr anspruchsvoll. Ich habe mich lange mit der RMS Titanic beschäftigt, daher kenne ich die Historie sehr gut. Viel Erfolg wünsche ich dem Autor, Herrn Brunner! Frank Heitkamp

  • DoRo MoRo (Freitag, 24. Juni 2016 12:31)

    Habe gerade gelesen, dass Ihre "Cryptanus-Reihe" vertont wird. Das wird sicherlich spannend.
    Und auf die Lebensgeschichte des Titanic-Käpt'ns freue ich mich auch schon sehr.

  • Friedhelm Brandt (Samstag, 21. November 2015 19:57)

    Hallo lieber Wolfgang,
    ich habe mich über deinen Gästebucheintrag richtig gefreut!
    Gerade lese ich in deinem Buch "KIM SCHEEPER UND DAS WEINEN DER ZEIT".
    Es ist spannend und voller Wunder-ein Kleinod,wertvoll und excellent!

    Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit!

    Liebe Grüße,
    Friedhelm

  • G. Neumann (Dienstag, 27. Oktober 2015 13:30)

    Sehr informative Seite.

    Ihre Cryptanus-Trilogie hat mich sehr fasziniert, zumal ich selbst einmal ein Nahtod-Erlebnis hatte.
    Vielleicht schaffe ich es einmal, Sie bei einer Lesung zu besuchen. Ich würde mich sehr freuen, Sie einmal persönlich kennenzulernen.

    Ein Fan

    G. Neumann

  • Silke Hacker (Donnerstag, 20. August 2015 13:05)

    Lieber Herr Brunner,

    ihre Bücher sind Spitzenklasse! Ich kann gar nicht erwarten, bis es Neues von Ihnen gibt.
    Ihre Cryptanus-Reihe steckt voller Philosophie und Hoffnung. Ich kann Ihnen gar nicht genug für diese Denkanstösse danken.

    Ganz liebe Grüße aus dem Schwarzwald sendet Ihnen

    Silke Hacker

  • Stefan Nickel (Freitag, 29. Mai 2015 14:50)

    Eine wirklich interessante Seite, die neben vielen Informationen auch ganz klar zeigt, wie abwechslungsreich Ihre Bücher sind.
    Als großer Fan Ihrer Geschichten bin ich schon auf die zukünftigen Geschichten aus Ihrer Feder gespannt. Ich wünschte, es gäbe mehr solcher Autoren, die sich nicht dem oftmals uninspirierten
    Mainstream anpassen. Mein Respekt vor Ihrer Arbeit.

  • Vero KAa (Donnerstag, 02. April 2015 09:31)

    Würde gern mal zu einer Lesung erscheinen, aber es ist leider nicht gerade um die Ecke. Wünsche aber viel, viel Erfolg.

  • Friedhelm Brandt (Montag, 20. Januar 2014 14:07)

    Hallo Wolfgang,
    ich bin gerade vom Siemensrechner aus ins Gästebuch gegangen.
    Der Link auf deine Homepage funktioniert !!

  • Friedhelm O. Brandt (Mittwoch, 09. Oktober 2013 19:58)

    Ich freue mich auf deine Lesung bei mir im Wohnatelier "Schloß Styrum".

    Das wäre am 11 Jan.2014.
    Die Uhrzeit ist noch nicht festgelegt,hättest du da einen Vorschlag?

    Gestern war ich bei einer Stadtkonferenz über unseren Ortsteil Mülheim Styrum.
    Dort wurde über eine Homepage nachgedacht.
    Wenn diese bis dahin steht,so lasse ich den 11 Jan. dort auch erwähnen.

    Deine Homepage wirkt sehr aufgeräumt und ist interessant gestaltet...

    Nun bis bald und liebe Grüße aus den alten Gemäuern von Schloß Styrum.

    Friedhelm

  • Frank Olaf Paucker (Donnerstag, 26. September 2013 13:00)

    Ich dachte, die Seite hätte ich schon lange geliket. Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich. Schnell nachgeholt. Eine wirklich sehr schöne Page über Dich und Deine Arbeit. Gruß Frank

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ZWEITER TEIL DES"CRYPTANUS"-ZYKLUS

# Broschur: 534 Seiten
# Verlag: CreateSpace (erschienen 23. Januar 2015)
# ISBN-10: 1507614055
# ISBN-13: 978-1507614051
# EUR 15,99

.

Es gibt einen Ort zwischen Leben und Tod. Wie würden Sie sich fühlen, wenn sich dort die Liebe Ihres Lebens aufhielte?

Was erwartet uns nach dem Sterben? Doch dieses Mal ist der Abgrund gefährdet, denn eine mit Hass erfüllte Kreatur versucht den Kreislauf der Seelen zu zerstören, während Phils Frau Helena an einem "Ort zwischen den Orten", der Griphus Nix genannt wird, weder tot noch lebendig festgehalten wird. Zusammen mit seinem Angelus Parr, dem Geschöpf der Schönheit Pulcher und drei weiteren Gefährten versucht Phil, das Geheimnis von Griphus Nix zu lüften, um Helena in den Abgrund zu holen. Nicht im Traum hätte er damit gerechnet, in einen faszinierenden aber auch erschreckenden Sog zu geraten, der ihn über die geistige Existenz des Cryptanus hinaus an den Anfang allen Seins führt...

Das sagt die Presse:

Stefan Pingel vom Bocholter Borkener Volksblatt schreibt im März 2011:

"Auf Irrwegen in der Welt der Toten: Es ist kein einfaches Buch, was der Hamminkelner Autor Wolfgang Brunner da vorlegt. Und es ist sicherlich kein Mainstream. Hatte Brunner zuletzt noch mit "Kim Schepper" einen Jugendroman vorgelegt, so geht es in seinem neuesten Werk um Todes- und Nachtodeserfahrungen. Dem Thema Tod bleibt Brunner aber immerhin treu. Wie im ersten Cryptanus-Band "Der Geruch des Todes" spielt auch in "Das Geheimnis von Griphus Nix" Philip Goldman die Hauptrolle. Nachdem er den Abgrund -die Welt der Toten- lieben gelernt hat, will er auch seine Frau Helena dorthin bringen. Er tötet sie, um mit ihr im Abgrund zu leben. Das geht allerdings gründlich schief, denn Helena landet in einer Zwischenwelt, geschaffen von Griphus Nix, einem Wesen, das als Mensch ebenfalls ermordet wurde. Während sie versucht, das Vertrauen von Griphus Nix zu erlangen, sucht Goldman mit seinen Geföhrten seine Frau im Abgrund.  'Hinter dem Horizont' trtifft "The Cell' - so könnte man den Roman mit zwei Filmen beschreiben. Da ist auf der einen Seite der esotgerisch, aber bildgewaltige Film mit Robin Williams, in dem er seine Frau nach ihrem Selbstmord in der Unterwelt sucht. Und da ist auf der anderen Seite der Thriller mit Jennifer Lopez, in dem sie in die kranke Gedankenwelt eines Serienkillers eintaucht. Beides zusammen ergibt eine äußerst ungewöhnliche Mischung. Obacht: Vort dem zweiten Band sollte man unbedingt den ersten lesen, um diese Welt zu verstehen."

 

 

 

 

Leseprobe

Ich hatte mich mit Lydia zurückfallen lassen. Parr und Serev gingen einige Schritte vor uns und waren in eine Unterhaltung vertieft, deren Thema wir nicht kannten. So kam es, dass Lydia und ich miteinander sprachen. Der Weg, den wir im Moment beschritten, führte durch ein seltsames Dickicht aus schwarzen Pflanzen und bunt blühenden Blumen, die teilweise fast so groß wie ich waren.

„Wir hätten nun Zeit, damit du mir erklären kannst, warum du deine Frau ermordet hast“, fing Lydia an. Sie wirkte nervös auf mich, weil sie ununterbrochen an ihren Fingernägeln kaute. Wie ich später erfahren sollte, war das eine Angewohnheit, die sie vom Leben mit in den Tod genommen hatte. Sie bemerkte meine Blicke und hörte sofort damit auf.

„Ich fange am besten von vorne an, damit du weißt, was in mir vorging. Es ist eine komplizierte Geschichte, die bereits anfing, als ich etwa so alt wie du war.“

„Ich war zweiundzwanzig Jahre alt, als ich starb“, sagte Lydia. Sie hatte ein schönes Lächeln und ihr Gesicht wirkte auf mich wie das einer Fee. Als Lebende hatte sie bestimmt viele Verehrer gehabt.

„Genauso alt war ich auch, als meine Geschichte begann“, sagte ich laut auflachend. „Das ist ja ein Zufall.“

Wir kicherten eine Weile. Lydia sah mich an und sagte nachdenklich: „Aus welchem Jahr kommst du? Bist du auch von 1956?“

Ich sah sie erstaunt an. „Wie kommst du darauf? Wir hatten das Jahr 2008, als ich meine Frau umgebracht habe… ich…“

„Wie kann das sein?“ Ihr Blick war voller Erstaunen. „Wir treffen hier im Abgrund aufeinander, obwohl uns im Leben über fünfzig Jahre trennten…?“

Ich dachte nach. Sie hatte mit ihrer Frage nicht einmal so Unrecht. Aber bevor ich meinen Angelus fragte, fielen mir seine Worte ein, die ich nun dem Mädchen wiederholte: „Lydia, hör zu. Es ist noch nicht sehr lange her, als Parr mir gesagt hat, ich solle nicht immer versuchen, den Abgrund zu verstehen. Die Zeit, wie wir sie kennen, gibt es hier nicht. Wir befinden uns in einer anderen Dimension, hier zählen andere Werte…“

Lydia nickte. „Okay, ich verstehe. Erzähl weiter… „

„Also gut…“ Und so erzählte ich ihr meine Lebensgeschichte. Ich schilderte ihr den Geruch nach verbrannter Lakritze, erklärte ihr, dass Tote in den Körper frisch Verstorbener schlüpften, um dem Abgrund zu entfliehen und zurück ins Leben zu kommen. „Diese Flüchtigen werden Fugarer genannt und meine Gabe war, sie im Leben zu „erriechen“. Ich war ein Captarer, ein Jäger, und mein Angelus brachte die Geflüchteten zurück in den Abgrund.“ Ich sprach von meinen Abenteuern in der Welt der Toten, von den Erlebnissen auf dem Fluss Styx, dem Angriff durch die Cataracten, bösen Wasserwesen, dem Wald der Selbstmörder und den Bergen der Läuterung. Ich schwelgte in Erinnerungen, als ich von Nonobitus, der Stadt der Untoten, sprach, in der ich eine Zeitlang alleine festsaß.

Lydia hörte schweigend zu und nickte hin und wieder. „Du hast dich also in den Abgrund, in den Tod verliebt…“, sagte sie, als ich am Ende meiner Geschichte angekommen war.

 „So könnte man das sagen. Ich träumte vom Tod, ich fühlte mich hier besser als im Leben. Und deswegen wollte ich zusammen mit meiner Frau, die ich über alles liebe, hierher. Ich wollte ihr die Schönheit dieser Dinge zeigen…verstehst du das, Lydia?“ Meine Stimme wurde bei den letzten Worten leiser.

 „Ich verstehe es, obwohl ich nicht glauben kann, dass der Abgrund so viel schöner als das Leben sein soll.“

„Du wirst es noch erfahren“, sagte ich.

Aus den Augenwinkeln sah ich eine Gestalt zu unserer Rechten, die aber sofort wieder verschwand, als ich den Kopf in ihre Richtung drehte. Verwundert blieb ich stehen und sah wieder nach vorne. Sogleich sah ich wieder einen Schatten, der neben uns herlief. Als ich den Kopf in seine Richtung drehte, war er erneut verschwunden.

„Was…? Wer bist du?“, fragte ich laut, woraufhin Lydia, Parr und Serev stehenblieben und mich erstaunt ansahen. 

„Mit wem sprichst du?“, fragte schließlich Parr. „Hier ist niemand!“

Nun war ich es, der erstaunt die anderen ansah. Ich sah den Schatten immer noch auf meiner rechten Seite, aber eben nur, wenn ich nicht direkt hinsah.

„Ich sehe rechts neben mir ein Schattenwesen. Wenn ich es anschauen will, verschwindet es. Könnt ihr es denn nicht sehen?“

Alle drei schüttelten den Kopf. Der Belob kam auf mich zu und beugte sich zu mir herab, flüsterte mir uns Ohr. „Du siehst ein Schattenwesen? Aber nur aus den Augenwinkeln, es zeigt sich dir nicht?“

Ich nickte.

„Dann bist du einer der wenigen Auserwählten, die Pulcher sehen können…“

 „Pulcher? Was ist das?“

 Serev zog mich zur Seite und beobachtete die anderen nicht, die uns neugierig nachsahen. Der Belob winkte Parr zu und gab ihm zu verstehen, er solle zusammen mit Lydia langsam weitergehen. Dann sah er mich an und setzte sich auf den Boden. Ich nahm ebenfalls Platz.  Der Schatten blieb neben mir stehen, immer so, dass ich ihn nicht genau erkennen konnte.

„Pulcher ist das Wesen der Schönheit. Es gibt nicht viele Tote, die dieses Wunder erblicken. Er zeigt sich erst in seiner ganzen Schönheit, wenn du diese auch begreifst und annimmst. Er hat dich anscheinend ausgesucht… „

Ich blickte mich um, vermied es aber, in die Richtung von Pulcher zu sehen. Aus dem Pflanzenmischmasch, den wir vorhin durchquert hatten, war eine Wiese geworden, deren Grashalme bis an unsere Knie reichten. Die Halme hatten einen Glanz, der mich an Wunderkerzen erinnerte, die wir als Kinder zum Jahreswechsel abgebrannt hatten. Sie versprühten kleine Universen in die Luft und schimmerten, als bestünden sie aus Edelsteinen. Ich hatte solch eine wunderschöne Wiese noch nie gesehen, weder im Leben noch im Tod.

Serev hatte meine Blicke bemerkt und sah mich erstaunt an. „Warum glänzen deine Augen, als würden sie ein Wunder erblicken?“, fragte er.

Ich sah ihn an und konnte nicht glauben, dass er mich das fragte. Sah er denn nicht, in welch herrlicher Landschaft wir uns befanden?

„Siehst du denn nicht die Einzigartigkeit dieser Wiese, das Leuchten der Grashalme, als wären sie ein unbezahlbarer Schatz?“

Serev schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Phil. Wir sitzen hier auf einer ganz normalen, roten Wiese, wie sie oft im Abgrund zu finden ist. Ich sehe nicht, was du siehst. Pulcher zeigt dir Dinge, die nur du sehen kannst. Er vertraut dir, er weiß anscheinend, dass du die Schönheit, die er dir zeigt, schätzst.“

„Was soll ich tun?“, fragte ich hilflos. Ich fühlte mich überfordert. Wieso konnte nur ich etwas sehen, die anderen aber nicht?

„Unterhalte dich mit ihm. Wir drei gehen voran und lassen dich alleine. Du wirst viel von ihm lernen. Nutze diese einmalige Chance…“

 

 

 

Helena starrte fasziniert auf das Szenario, das sich vor ihren Augen abspielte. Raoul wurde von dem nackten Vergewaltiger brutal in den Schnee gedrückt. Er strampelte und versuchte, sich aus der festen Umklammerung zu befreien, aber sein Versuch war nicht von Erfolg gekrönt. Kurz schaffte er es, den Kopf zu heben und in Helenas Richtung zu sehen. Phils Frau stockte der Atem, als sie in sein Gesicht blickte. Es sah genauso aus wie jetzt. Nur die Augen waren zu erkennen, alles andere war unter einer Schneeschicht verborgen.

Der Mann mit dem Schnee im Gesicht....

Wenn sie dich tot auffinden, werden sie dich den Mann mit dem Schnee im Gesicht nennen…

„Er hat es tatsächlich getan…“, murmelte Helena. „Er hat dich in den Schnee gedrückt, bis du tot warst…“

Melanies Geist stand da und es sah aus, als würde sie das Ganze ebenfalls interessiert beobachten. Aber sie bewegte sich nicht, sie stand einfach nur da wie eine Statue aus Stein.

„Ja, er hat mich umgebracht. Es war kein schöner Tod… im Schnee zu ersticken… die Kälte im Gesicht… das Feuer der Liebe im Herzen, das bald verglühen würde…“ Griphus atmete tief ein. Es fiel ihm sichtlich schwer, über seinen eigenen Tod zu sprechen. „Als ich starb, war die Traurigkeit wieder in meinem Geist. Ich wusste, dass mit mir Melanies Liebe zu mir starb. Ich wusste es… und dann war ich im Abgrund…“

„Was passierte dann…?“ Helena konnte es gar nicht abwarten, bis sie erfuhr, wie es weiterging. Sie fühlte mit dem Mann neben ihr, der die Dunkelheit langsam mit seinen Erinnerungen erhellte.

„Wenn man in den Abgrund kommt, wird man von seinem Angelus erwartet, in dessen Körper die Seele schlüpft. Ich fühlte mich in meinem neuen Körper sofort wohl, obwohl er etwas größer war, als der, den ich im Leben besaß. Aber ich fühlte mich nicht im Abgrund wohl, denn ich befand mich am Collacrimatio, dem Fluss der Tränen. Dort werden die Tränen der Trauernden gesammelt und fließen durch den Abgrund. Als ich bemerkte, dass Melanie keine einzige Träne für mich vergoss, überkam mich erneut die Traurigkeit, die mich bis zu meinem Lebensende begleitet hatte. Ich hatte sie mit in den Tod genommen.“

Helena nickte und ihre Augen hatten sich mit Tränen gefüllt.

„Und als ich trotzdem diese unglaublich große Liebe zu Melanie in mir fühlte, spürte ich eine Dimension im Abgrund, die noch nie jemand betreten hatte. Ich hatte durch meine Liebe Griphus Temporis gefunden und entschwand…“

„Wie funktioniert so etwas?“, konnte Helena nicht umhin, eine Erklärung zu verlangen.

Griphus sah die Frau an und das erste Mal seit seiner Erzählung lächelte er wieder. „Kennst du dich mit anderen Dimensionen, Paralleluniversen und dergleichen aus?“

Helena schüttelte den Kopf.

„Dann würde es keinen Sinn machen, dir diese Vorgänge zu erklären. Ich hatte diesen Ort gefunden und mir geschworen, einen Platz für Wesen zu schaffen, die das gleiche Schicksal wie mich ereilt hat. Und ich wollte einen Platz, an dem die Liebe herrschte… verstehst du?“

Sie verstand nicht, nickte aber trotzdem. Vor ihr stand Melanie im dunklen Wald, in dem Raouls Leben geendet hatte. Der Vergewaltiger und sein Opfer waren verschwunden. Das Licht des Mondes spiegelte sich auf der Oberfläche des Tümpels, der erstaunlicherweise nicht eingefroren war. Noch lange sahen Griphus und Helena auf die Szene aus der Vergangenheit, bis sich Griphus schließlich erhob und Helena auf die Beine half.

„Nun hast du deinem Mann ein Lebenszeichen geben können, gib mir dafür die Liebe, die du mir angeboten hast. Wir gehen zurück nach Griphus Nix…“

Helena sah das Schneegesicht erstaunt an. „Ich habe Phil keine Nachricht geben können. Wovon sprichst du?“

Griphus sah sie an. „Vertrau mir einfach. Phil weiß, dass du in seiner Nähe bist. Wenn mir deine Liebe gefällt, werde ich darüber entscheiden, ob du ihm weitere Zeichen geben darfst.“

 

 

 

Ich wartete, bis der Belob meinen Angelus und das Mädchen erreicht hatte. Erst dann ging ich langsam durch die prachtvolle Wiese, die nur ich sah. Nein, Pulcher konnte sie bestimmt auch sehen, das Wesen war es schließlich, dass mir diese Schönheit um mich herum verschaffte.

„Wieso hast du mich ausgewählt?“, fragte ich neugierig. Ich vermied es, nach rechts zu sehen, denn ich wollte zumindest den Schatten des Wesens sehen. Pulcher schritt in geringem Abstand neben mir den Weg entlang. Ich sah nur verwaschene Umrisse, die wie dicke Nebelschwaden einen Körper bildeten, der immer wieder seine Form änderte. Die Gestalt, die ich meistens nur erahnte sah menschenähnlich aus, nur kleiner.

„Ich habe dich erwählt, weil ich in deinem Herzen Liebe fand… und das Verständnis für Schönheit. Es war nicht schwer, dir diese herrliche Wiese zu zeigen, während die anderen blind dafür sind.“

„Mein Name ist Phil. Ich bin auf dem Weg nach Rexab Respon“, erklärte ich dem Schattenwesen neben mir.

„Man nennt mich Pulcher, das Schöne. Ich warte hier, bis jemand vorbeikommt, der Sinn für die schönen Dinge hat. Und dann zeige ich mich…“

„Ich kann dich aber nicht sehen“, warf ich meinen Einwand ein. „Ich sehe dich nur aus den Augenwinkeln.“

Pulcher lachte. „Du müsstest eigentlich wissen, dass man Schönheit nicht immer gleich auf Anhieb erkennen kann. Du musst lernen, mich zu sehen… dann wirst du es auch können. Es ist wie mit der Liebe…“

Ich seufzte, weil meine Gedanken sofort wieder zu Helena wanderten.

„Du denkst an deine Frau? Ich sehe sie vor mir, deine Gedanken zeigen mir ihr Bild. Sie ist sehr schön…“

„Ja, das ist sie“, murmelte ich. „Ich habe sie verloren. Ich weiß nicht, wie ich sie finden soll. Deswegen sind wir auf dem Weg in die Stadt der Schmerzen. Wir hoffen, dort jemanden zu finden, der uns sagen kann, wo Griphus Nix liegt.“

„Du bist auf der Suche nach Griphus Nix, dem Ort zwischen den Orten?“, fragte Pulcher erstaunt. „Du solltest nicht danach suchen, der Griphus ist gefährlich.“

„Du kennst diesen Ort?“ Ich blieb stehen und als ich mich dem Schatten zuwandte, verwischte dieser sofort, um kurz danach in meinem eingeschränkten Sichtfeld wieder aufzutauchen. „Kannst du mir sagen, wie ich dorthin komme?“

„Warum willst du an so einen Ort? Griphus Nix ist nicht schön… niemand hat dort etwas verloren.“ Pulcher stieß ein Geräusch aus, das sich wie Niesen anhörte. „Es ist eine Dimension zwischen Leben und Tod. Kein Wesen hat es verdient, weder zu leben, noch tot zu sein. Ich kann dir nicht mehr darüber sagen. Ich weiß nur, dass es dort nicht schön ist, also kein Ort für mich. Lass uns über andere Dinge sprechen. Ich habe dich nicht auserwählt, um über Orte des Schreckens zu reden.“ Wieder ließ der Schatten ein Niesen hören.

Ich ging weiter. „Erzähl mir von der Schönheit der Dinge“, forderte ich ihn auf. „Vielleicht schaffe ich es in der Zwischenzeit, dich zu sehen.“

„Beantworte mir eine Frage.“ Pulchers Umriss wurde für kurze Zeit etwas schärfer und ich meinte erkennen zu können, dass es sich um eine männliche Person handelte. Ich konnte mich aber auch irren.

„Welche Frage soll ich dir beantworten?“

„Was ist Schönheit für dich? Etwas zu sehen oder etwas zu spüren?“

Ich überlegte. Eigentlich war die Frage für mich leicht zu beantworten, aber irgendwie dachte ich mir, dass es sich um eine Art Fangfrage handelte. Vielleicht wollte mich das Wesen prüfen, ob ich dazu geeignet war, ihn sehen zu dürfen.

„Überlege nicht lange, antworte mit dem Herzen und nicht mit deinem Verstand…“

„Beides…“, sagte ich ohne zu zögern. „Schönheit ist beides… Sehen und Spüren. Hinzu kommt Hören, Fühlen… und noch viele Dinge mehr. Schönheit ist nicht einfach zu erklären… sie ist für jeden anders und doch das Gleiche.“

Pulcher ließ ein Glucksen hören, das ich als positives Zeichen deutete.

„Sie wird auf der anderen Seite auf dich warten. Sie weiß, dass sie die Grenze ohne deine Hilfe nicht überschreiten kann, aber sie ist nicht ängstlich. Sie wird seine Hand nehmen und ihn führen. Der Griphus wird ihr irgendwann vertrauen und ihr erlauben, dir zu sagen, was du zu tun hast. Die Seite, auf der du bist, ist nicht so fern wie du denkst. Sie weiß, dass du ihr einen Platz an deiner Seite freihältst.“

Irritiert wandte ich den Kopf. „Von wem sprichst du?“

„Von deiner Frau…“, sagte Pulcher und vor meinen Augen erschien ein Wesen, wie es schöner nicht sein konnte.

 

 

 

Sie standen im Korridor der Spiegel. Griphus hatte Helena an der Hand genommen und war mit ihr zusammen in ihren Spiegel getreten. Helena schloss fest die Augen und dachte an Phil, während sie das dadurch entstehende Gefühl der Liebe an Griphus weitergab, indem sie ihn streichelte.

Sie spürte die Kälte des Schnees, als sie über seine Wangen strich und ihn durch die Schicht gefrorenen Wassers liebkoste. Sie fuhr ihm über die Brust, um sich schließlich seinem schneebedeckten Mund zu nähern, den sie küssen wollte. Eisige Kälte durchfuhr ihre Lippen, als sie den Eisbart um seine Mundwinkel berührte.

Griphus hatte die Augen geschlossen und ließ alles mit sich geschehen. Er spürte die Liebe und genoss.

„Ich spüre deine Liebe, aber sie gehört einem anderen“, flüsterte er. „Und trotzdem bin ich dir dankbar dafür. Du gibst mir etwas, von dem ich noch lange zehren werde… Deine Liebe ist etwas Wunderbares, auch wenn sie nicht für mich bestimmt ist."

„Ich gebe sie dir gerne, doch weißt du auch, was ich dafür verlange. Ich liebe meinen Mann und möchte zu ihm zurück. Ich…“

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ERSTAUFLAGE:

# Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
# Verlag: Noel-Verlag (erschienen 01. Februar 2011)
# ISBN-10: 3-940209-95-5
# ISBN-13: 978-3-940209-95-5
# EUR 17,80